Am heutigen #Infomittwoch geht’s bei mir um alternativen Hufschutz – genauer gesagt, um Hufschuhe. Gleich mal vorweg: Das soll jetzt keinesfalls ein Text werden à la „Eisen sind böse, nur barhuf ist gut und allle Pferde müssen jetzt Hufschuhe tragen“. Denn wie bereits in meinem Beitrag über Gebisse geschrieben: Ich bin kein Fan davon, solche Dinge zu verallgemeinern. Jedes Pferd braucht seine eigene Lösung, es gibt nur selten einen Weg, der wirklich für alle passt. Aber ich habe mich in letzter Zeit, nicht zuletzt wegen Stellas Fesselringbandsyndroms, einfach viel mit dem Thema Huf und Hufbeschlag beschäftigt – und sehe tatsächlich einiges anders, als früher.

Früher war es für mich zum Beispiel ganz selbstverständlich, dass ein Pferd, wenn es ein paar Monate unter dem Sattel ist, Eisen bekommt – spätestens, wenn es aufs Turnier geht. Das hat „man halt so gemacht“ und manche Jungpferde heben ja auch tatsächlich die Beine erst einmal mehr, wenn sie das ungewohnte Gewicht der Eisen an den Hufen spüren. Aus einem normalen Trab wird dann gerne mal etwas mehr…
Als Stella aber schließlich wegen ihres akuten Fesselringbandsyndroms eine Koppelpause machte, begann ich, nachzudenken. Was genau es war, das mich ins Grübeln brachte, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich war ich irgendwo über einen Artikel gestolpert, hatte ein Gespräch mit jemandem geführt oder etwas in einem Buch gelesen. Jedenfalls begann ich, mich eingehender mit dem Thema Huf zu befassen: Wie er aufgebaut ist, welche Funktionen er überhaupt hat und natürlich, wie er gesund bleibt.

Der Hufmechanismus: Ein kleines Wunder für sich 

Ich las zum Beispiel über den Hufmechanismus: Die Hufkapsel spreizt sich beim Auftreten und zieht sich anschließend wieder zusammen. Vereinfacht gesagt sorgt das für eine gute Durchblutung der Gliedmaßen, weil bei jedem Schritt, Tritt oder Sprung Blut nach oben gepumpt wird. Weil der Huf sich so verformen kann, ist er aber auch ein wichtiger Stoßdämpfer. Hier wirken Hufhorn, Hufkapsel, Strahl und die elastische Hufbeinaufhängung zusammen und schützen quasi durch eine eingebaute Federung die oberen Gliedmaßen. Ebenfalls abgefedert wird die Bewegung im Fesselgelenk, das wie eine Art Federgabel wirkt.

Nicht vom alten Eisen

Und hier sind wir quasi auch fast schon wieder bei Stella angekommen: Sie hatte früher immer Eisen, trägt aber nun keine mehr – und wird wohl auch barhuf bleiben.Wieso? Das ist eigentlich keine Überraschung: wegen des Hufmechanismus. Denn sowohl der Tierarzt als auch die Physiotherapeutin haben mir dazu geraten, Stella lieber unbeschlagen zu lassen. Eisen schränken den Hufmechanismus nämlich immer etwas ein und somit eben auch die Stoßdämpfung. Hinzu kommt, dass Stella mit Eisen auch immer stark gerutscht ist, was für ihr Fesselringband, das immer leicht verdickt bleiben wird, Gift ist.

Muss ein Huf gleiten können?

Eine Zeit lang hatten wir das Rutsch-Problem mit kleinen Stiften in den Eisen gelöst. Damit ist sie zwar nicht mehr so gerutscht, aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir über die Sinnhaftigkeit solcher Stiftchen nicht mehr ganz im Klaren bin: Eigentlich soll der Huf ja ein wenig rutschen können, wenn auch nicht unbedingt so stark wie mit Eisen. Auch ein „nackter“ Huf gleitet ja etwas über den Boden. Wenn nun aber ein Stift das Gleiten verhindert, gibt es immer einen ruckartigen Stopp – zumindest für Stellas vorbelastetes Fesselringband also nicht das Wahre.

Zeigt her Eure Füße – und an mit den Schuhen! 

Stella läuft nun also barhuf. Und so lange wir auf weichem Boden unterwegs sind, klappt das auch prima. Ihre Hufe haben sich gut umgestellt, glänzen schön und brechen nicht aus. Auf hartem, steinigem Boden allerdings, da läuft sie nach wie vor wie auf rohen Eiern. Und deshalb zieht sie nun einfach Schuhe an, wenn wir ins Gelände gehen. Das Rumgeeier ist zwar schon etwas besser geworden und sie toleriert inzwischen mehr Böden – sicher wird sich da auch noch etwas tun. Aber, und das ist mir ganz wichtig, es macht keinen Sinn, zu sagen: „Da muss sie halt durch“. Zumindest dann nicht, wenn einem daran gelegen ist, dass das Pferd beim Reiten losgelassen über den Rücken geht.

Ein fühliges Pferd braucht Hufschutz

Denn was passiert, wenn ein Pferd fühlig ist, es also nicht richtig auftreten mag? Es kompensiert. Und zwar mit der Haltemuskulatur, also genau mit derjenigen Muskulatur, die zwar das Skelett vor Verletzungen schützen kann, die wir aber beim Reiten eigentlich nicht ansprechen möchten. Dabei soll lieber die Bewegungsmuskulatur übernehmen. Denn nur die schafft es, ein Pferd auch bei hohen Trainingsbelastungen dauerhaft gesund zu halten. Bei einem Pferd, das empfindliche Hufe hat, das aber ohne Eisen laufen soll, finde ich es daher extrem wichtig, für alternativen Hufschutz zu sorgen.

Hufschuhe können sogar schick aussehen

In unserem Fall sind es nun Hufschuhe von Scoot Boot für vorne geworden (die finde ich sogar richtig schick, in schwarz-gold) und für hinten Renegades (da haben die schöneren Scoot Boots leider nicht gepasst, also sehen wir eben ein bisschen aus wie Robocop). Natürlich gibt es da verschiedenste Modelle und auch das finde ich wichtig: Zu uns kam die Hufschuhexpertin Manuela Niemann mit einem ganzen Lieferwagen voller Hufschuhe und Stella durfte ausgiebig „shoppen“ und anprobieren. Das ganze Procedere kostet zwar einen kleinen Aufpreis, aber wie beim Sattel auch, ist es bei einem Schuh eben wichtig, dass er gut sitzt, auch bei schnellen Drehungen hält und dabei keine Druckstellen verursacht.

Alternativ gibt es natürlich auch noch verschiedenste Kunststoffbeschläge, damit habe ich persönlich allerdings noch keine Erfahrungen gemacht – nutzt die zufällig jemand von Euch und mag berichten? Dann schreibt mir in den  Kommentaren! Dort dürft Ihr natürlich auch gern Eure Fragen, Anregungen oder Themenwünsche loswerden.

Eure Liviana