Das Gesicht hinter der Kamera

Hi ich bin Fabian, das Eine oder andere habt ihr ja schon von Liviana oder von Stella 😉 gehört. Während Liviana schön Urlaub macht … (neidisch) renn ich nicht nur auf der Arbeit mit der Kamera rum, sondern soll auch noch den Kanal übernehmen. Wie man vielleicht bisher gemerkt hat, steh ich lieber hinter der Kamera als davor. Aber nun gut, probieren wir es mal 😉

Fachliche Berichte oder Reittipps kann ich euch natürlich nicht bieten, das muss die Fachfrau machen, aber ich kann erzählen wie es so ist, wenn man wie ich vor zwei Jahren von null auf hundert ins Pferdeleben stürzt, oder gestürzt wird.

Das Leben als Freund einer Reiterin

Die erste Erfahrung, die ich als Freund einer Reiterin gemacht hab ist: Geh mit in den Stall, sonst siehst du sie nie wieder 😉 … Nein ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Aber ja, ein Pferd braucht viel Zeit, Aufmerksamkeit und Fürsorge. Was am Anfang als „Außenstehender“ auch mal nervt, ergibt sehr, sehr viel Sinn, wenn man selbst einmal im Pferdefieber ist.

Warum ich jedem, der skeptisch ist, was seine Freundin oder der Freund da tut, empfehlen kann, einfach mal rein zu schauen: Über die letzten zwei Jahre mit Stella habe ich nicht nur viel über mich selbst gelernt, sondern auch was für ein Prozess es ist, bis Mensch und Tier so ein Vertrauen zueinander aufgebaut haben, dass man miteinander arbeiten und füreinander da sein kann. Der Grundstein dafür ist eben, dass man viel Zeit miteinander verbringt. Denn für mich hat sich gezeigt, dass man nur so seinem Pferd zeigen kann, dass man verlässlich ist, sich gegenseitig kennen- und einschätzen lernen kann, Regelmäßigkeiten etablieren und schlussendlich Vertrauen aufbauen kann.

An der Stelle muss ich Danke an Liviana sagen, dass sie mir soviel beigebracht hat und jetzt soviel Vertrauen in meine Kenntnisse hat. Vor zwei Jahren hätte ich nie gedacht, dass sie mir Stella für drei Wochen quasi alleine überlässt.

Stetige persönliche Weiterentwicklung ist der Schlüssel und wie Reiter und Pferd zusammenkommen

Meiner Meinung nach ist der wichtigste Punkt im Zusammenleben, sowohl bei Mensch als auch bei Tier, Respekt und Ehrlichkeit. Ein fairer und liebevoller Umgang miteinander ist unabdingbar. Und ja,

man muss trotzdem selbstbewusst und deutlich auftreten, Ansagen machen können und Grenzen ziehen. Einfach gesagt, schlussendlich muss man sein Pferd nicht nur als Freund gewinnen, sondern es muss einen auch als Chef akzeptieren.

Der Weg dahin war hart, pardon, ist hart, für mich zumindest. Wenn man mit Ende zwanzig (jetzt ist schon die drei davor), von null anfängt und alles lernen muss. Da kann schon mal das Hufauskratzen schwierig werden. Ganz zu Beginn hat Stella direkt gemerkt, dass ich keine Ahnung hab, und nicht nur Respekt hatte, sondern auch ein wenig Schiss, ob ich hier alles richtig mache mit 600kg Fluchttier, das mich skeptisch anschaut. Und ja, leider oder mittlerweile auch zum Glück merken Pferde, und wohl die meisten Tiere, direkt, wenn man unsicher, unehrlich, unaufmerksam, hektisch oder auch nur ein wenig unruhig ist. Zum Glück, weil sie merken auch wenn einen etwas beschäftigt, und dann sind sie für einen da oder spiegeln einem „Fehler“ direkt zurück.

Man muss also stetig an sich selber arbeiten. Und natürlich habe ich nicht alles richtig gemacht, oder vielleicht doch, aber ich habe es nicht ausgestrahlt – auch ein „Fehler“. Stella war auf jeden Fall überzeugt, dass sie sagt, wo es langgeht und hat sich einfach in meine Hand fallen lassen. Super, 600kg in der Hand, klasse Gefühl, nicht… Ach ja, ich hatte das Gefühl, dass es so aussieht, als ob sie dabei lacht.

Das Handwerkszeug des Reiters

Also hat Liviana mir erstmal alles über Stimmlagen, Körperhaltung und Ruhe bei der Arbeit mit dem Pferd beigebracht. Neben den 1000 kleinen Handgriffen, „Werkzeugen“ und Sachen rund ums Pferd. Die besten Frage am Anfang: Wie geht das nochmal mit dem Knoten für den Anbindestrick? Warum gibt sie mir schon wieder nicht den Huf?

Das Lernen hört übrigens nie auf. Egal wie viel man weiß oder wie lange man dabei ist, so kenne ich es aus meinem Job als Videojournalist/Redakteur, hier ist alles viel schnelllebiger als in der Pferdewelt, aber auch die entwickelt sich weiter, man sollte nie stehenbleiben auf dem was man denkt zu wissen.

Tipps & Ratschläge anderer Reiter anhören, über den eigenen Horizont hinaus schauen

Stella versucht es ab und an immer noch. Vor allem, wenn ich einen neuen Schritt gehe wie z.B. selber freilaufen lassen wie vor ein paar Monaten. Da hat sie so Gas gegeben, hat nicht mehr auf mich gehört und alles was ich versucht hab um sie zu bremsen hat nicht geholfen, am Ende bin ich mehr gerannt und verschwitzter und fertiger mit den Nerven aus dem Longierzelt gelaufen als Stella. Hat sie gut gemacht mich zu longieren… Hat wohl gemerkt, dass ich gerade etwas mehr Bewegung brauchen könnte.

Da war Liviana auch unterwegs auf ihrem letzten Volokurs, der beste Tipp von Lesslie, eine Stallfreundin aus Stellas altem Stall, als ich „zerstört“ aus dem Zelt kam – „Lass Stella das nächste mal einfach erstmal rennen wenn sie rennen will, beachte es gar nicht groß und lass sie sich auspowern. Irgendwann hört sie von alleine auf und dann kannst du wieder ansetzen.“ Kurz gesagt – Sitchwort Ruhe, das erste was Liviana mir bis zum geht nicht mehr ins Gewissen geredet hat.

Wir haben zwei Jahre lang durchgehalten

Aber irgendwie hat es ja zwei Jahre lang geklappt. Nein nicht irgendwie, das Wichtigste ist, wenn es mal „schiefgeht“, wenn es nicht direkt klappt, auch nach dem 20.x nicht, nicht aufgeben, jemanden der es besser weiß, um Rat fragen, viel zuschauen, viel fragen und weitermachen. Trotz allem Frust am Anfang weiterhin liebevoll sein und dem Pferd zeigen, dass man es ernst meint und sich entwickeln kann, gemeinsam. Zum Glück hab ich mit Stella und Liviana zwei sehr gute Lehrerinnen, die auch viel Geduld mit mir haben. Und nicht nur zwei, in jedem Stall gibt es Menschen, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn man Hilfe braucht, man muss sich nur nicht zu schade sein, um zu fragen.

Wie geht das nochmal mit dem Knoten? Wo laufe ich, wenn ich das Pferd führe? Warum sagen einem alle im Stall da solltest du dich nicht nebens Pferd hocken, oder immer mit Handschuhen führen, aber machen es dann selber nicht? Routine ist gut, aber zu viel kann auch schaden 😉

Was ein Reitanfänger eigentlich erzählen kann?

Deshalb habe ich mir gedacht, ich schreibe einfach über die ganzen Fragen und Erlebnisse als Anfänger, vielleicht liest es ja der eine oder andere, der auch am Anfang steht, und ich schreibe Fragen rund um das Reiter- und Pferdeleben auf, die mir in den Sinn kamen und kommen. Vielleicht bringt die eine oder andere auch den erfahrenden Reiter wieder zum Nachdenken, oder zumindest Schmunzeln.

Aber erstmal die beste „Weisheit“ zum Schluss: Mit Leckerli kann man sich Freunde machen 😉

Und die ersten drei Fragen lauten:

  1. Warum sind Reiter eigentlich alle so komisch?
  2. Warum gibt es so wenig Männer in Reitställen?
  3. Warum sehen die Autos von Reitern oft so unordentlich aus?
  4. Wie geht das nochmal mit dem Anbindestrickknoten? Wer macht den am Freitag für mich? – Nein war nur nen Witz, den kann ich mittlerweile …

Habt ihr Antworten für mich? Schreibt mir in die Kommentare oder auf Instagram! Und ja ich sammele die besten Antworten und bastel euch einen neuen Beitrag daraus. 🙂